Malignes Neuroleptika-Syndrom
Das Malignes Neuroleptika-Syndrom (MNS, auch: malignes neuroleptisches Syndrom) ist eine seltene Nebenwirkung der Einnahme von Neuroleptika. Es stellt einen in der Psychiatrie gefürchteten Notfall dar, weil es schnell verläuft und rasch lebensbedrohliche Komplikationen verursachen kann.
Klassifikation nach ICD-10
G21.0 Malignes Neuroleptika-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2006
Auslösende Arzneistoffe
Als Auslöser eines MNS kommen folgende Arzneistoffe in Betracht:
* Aripiprazol
* Carbamazepin
* Chlorpromazin, Perazin, Pipamperon, Triflupromazin (niederpotente Neuroleptika)
* Chlorprothixen, Flupentixol (Thioxanthene)
* Desipramin, Trimipramin (Trizyklische Antidepressiva)
* Domperidon, Metoclopramid (Prokinetika)
* Fluphenazin, Perphenazin (Phenothiazine allgemein)
* Haloperidol, Benperidol, Melperon (Butyrophenone)
* Lithium
* Pimozid
* Risperidon, Aripiprazol (alle atypischen Neuroleptika)
* Sertralin, Escitalopram (SSRI)
* Sulpirid, Amisulprid (Benzamide)
* Tiaprid
* Venlafaxin (SNRI)
* und andere mehr.
Risikofaktoren
Die Entstehung des malignen neuroleptischen Syndroms kann durch Risikofaktoren begünstigt werden.
Dazu zählen beispielsweise:
* MNS in der Anamnese
o speziell in den ersten beiden Wochen nach einem MNS besteht extremes Risiko des Wiederauftretens
* rasche Dosiserhöhung eines Neuroleptikums
* Einnahme hochpotenter (stark antipsychotisch wirkender) Neuroleptika
* hohe Dosierung
* bestehende Gehirnschäden
* Neuroleptika-Verabreichung an Kinder oder Jugendliche
* parenterale Neuroleptika-Verabreichung (i. v., i. m.)
Symptome
Das maligne neuroleptische Syndrom ist gekennzeichnet durch
* extrapyramidal-motorische Störungen - darunter
o Akinese, Rigor (typisch); extreme Muskelsteife (Rigidität) (ähnlich dem Befund bei maligner Hyperthermie)
o nur gelegentlich: Tremor
o Hyporeflexie
o Opisthotonus, Trismus
o Blickkrämpfe, u. a.
* vegetative Entgleisung - beispielsweise mit
o Hyperthermie (typisch), starkem Schwitzen
o Tachykardie, Tachypnoe, Blutdruckänderungen
o Harn- bzw. Stuhlinkontinenz oder Harnverhalt
* psychische Störungen - z. B.
o Stupor
o Verwirrtheit
o Mutismus
o Bewusstseinsstörungen bis zum Koma
o Katatonie
auffällige Laborbefunde - etwa
o extreme CK- sowie Transaminasen-Erhöhung
o Myoglobinurie (bei Rhabdomyolyse)
o Leukozytose
o metabolische Azidose
Behandlung
Wichtigste Maßnahme und kausale Therapie ist das Absetzen des auslösenden Medikaments.
Alle weiteren Maßnahmen sind eher unterstützend und beziehen sich auf die Sicherung der Vitalfunktionen (ggf. Beatmung, Rehydratation) und auf die Vermeidung weiterer Komplikationen (etwa durch Wadenwickel zur Fiebersenkung).
An Medikamenten werden u. a. eingesetzt:
* Heparin zur Thrombose- und Embolie-Prophylaxe
* Benzodiazepine zur Muskelrelaxation, auch zur Sedation
* Dantrolen zur Beherrschung der Muskelrigidität (siehe maligne Hyperthermie)
* Amantadin oder Bromocriptin zur Behebung der Akinese und der Parkinson-Symptome
Verlauf und Prognose
Das MNS beginnt meistens hochakut und fulminant. Die Eintrübung, sowie besonders Muskelstarre und Fieber können dabei rasch zunehmen und schnell eine lebensgefährliche Dekompensation (Endpunkt: Multiorganversagen) bewirken. Das maligne neuroleptische Syndrom muss darum auf der Intensivstation behandelt werden.
Quellenangaben
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Wikipedia aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Syndrome
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