Histrionische Persönlichkeitsstörung
Die histrionische Persönlichkeitsstörung (HPS) (von englisch histrionic „schauspielerisch; theatralisch, affektiert“ zu lateinisch histrio „Schauspieler“) ist gekennzeichnet durch egozentrisches und theatralisches Verhalten. Als Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung hat HPS den veralteten Begriff Hysterie abgelöst.
Charakteristisch für Histrioniker ist der Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen. Betroffene sind meistens extravertiert, sozial ungezwungen und kontaktfreudig, haben aber nicht selten auch einen Hang zur Aggressivität. In Stresssituationen reagieren sie oft mit Schuldabwehr und Selbstbemitleidung, aber auch mit aggressivem Verhalten. Nicht selten suchen sie in derartigen Situationen zudem nach Selbstbestätigung und zeigen deutlich ein Bedürfnis nach sozialer Unterstützung.
Das Selbstwertgefühl ist eher schwach ausgeprägt. Sie können die eigene Bedeutung nur schlecht einschätzen, haben dafür aber ein sehr ausgeprägtes Gespür, wie andere auf ihr Auftreten reagieren. Entsprechend wichtig ist für Histrioniker die Bestätigung durch das Umfeld. Um diese Bestätigung zu erreichen, neigen sie zur exzessiven, oft theatralischen Selbstdarstellung.
Die Diagnose dieser Störung hängt im Gegensatz zu anderen weniger von der Dispositionierung als von der Kultur ab. So fallen Histrioniker seltener auf, wenn ihr Gemütsbereich und sexuelle Freiheit als normal angesehen wird, wie heutzutage im Westen. Das theatralische Auftreten wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich akzeptiert. Es wird von 2-3% Betroffenen ausgegangen. Die Störung tritt bei Frauen sehr viel häufiger als bei Männern auf.
Da antisoziale und histrionische Persönlichkeiten gehäuft innerhalb ein und der selben Familie vorkommen, kann man davon ausgehen, dass eine gemeinsame genetische Disposition für diese beiden Persönlichkeitsstörungen vorliegt. Der Erbgang bei genetischem Ursprung ist autosomal-dominant. Bei Zwillingsstudien liegt die Konkordanz bei ca. 65%.
Häufig wird bei den Betroffenen über frühkindliche Erfahrungen familiärer Gewalt und des Missbrauchs berichtet, die von einem psychopathischen Mitglied der Familie ausgehen, typischerweise vom Vater. Anhaltender, lauter elterlicher Streit während der frühkindlichen Entwicklungsphase wirkt fördernd.
Hilfe wird im Allgemeinen nicht wegen HPS, sondern wegen Depressionen oder psychosomatischer Organbeschwerden, die bis zu Blindheit oder Lähmungen reichen können, aufgesucht (in diesem Zusammenhang auch als Konversionsstörung bezeichnet). Da die Beschwerden subjektiv sind, sollte man sich vor Fehldiagnosen hüten. Histrioniker sind schwer zu behandeln, da sie ihr Verhalten nur langsam und schwer ändern können und ihnen die nötige Einsicht fehlt. Sie können manipulierend auf ihren Therapeuten sein und somit die Behandlung in eine falsche Richtung lenken. Er sollte dem Patienten die psychische Ursache seiner Beschwerden verdeutlichen und dynamisch und unterstützend auf ihn einwirken.
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